Ich auf Achse #2

Der allgemeine Nerd wird mir jetzt vielleicht widersprechen, aber ich fühle mich in Gesellschaft, vor allem in solcher, die mir vertraut ist, wohler als alleine. Dementsprechend entspannter wurde die Lage, als die Kollegen im CERN auftauchten. Dennoch folgte, um diverse Dinge zu klären, eine schier endlose Odyssee von Gebäude 32 zu 33, über 52 und 55 zu 28 und zurück zu 38. Modulo ein paar Permutationen1. Nun könnte der allgemeine Leser vermuten, das sei doch gar nicht so schlimm, liegen die Gebäude ja recht nah beieinander.

Ein Flur in einem Gebäude in einem CERN Der allgemeine Nerd und im speziellen die CERN-Kenner wissen natürlich, dass die hiesigen Nerds sich nicht darum scheren, was man normalerweise unter Gebäudenummerierung versteht, sondern gefühlt willkürlich2 die Nummern zu den Gebäuden vergeben haben. Das führt dann z.B. dazu, dass 28 und 33 fast am gegenüberliegenden Ende vom Gelände sind und man zu Fuß ca. 15 Minuten unterwegs ist.

CERN ID und Dosimeter Pünktlich nach Abschluss des Verwirr-Marathons bekam ich dann auch den Zugang zum Internet freigeschaltet, so dass ich von nun mittels Handy bequem über die CERN-Website die Gebäudenummern auf einer Karte nachschauen kann. Außerdem nun in meinem „Besitz“: eine CERN-ID und ein Dosimeter bzw. film badge, dass auch aufpasst, dass mir kein Hodenkrebs wächst. Naja, es sagt mir hinterher eher, ob ich Hodenkrebs bekommen werde.

Strahlenbelastung ... egal Übrigens ein kleiner Tipp von mir am Rande: Nicht in den Strahl gucken! Schon gar nicht in den vom LHC. Der hat nämlich hinterher die Energie von einem startenden Jumbo Jet im Strahl gespeichert, verteilt auf eine Handvoll Protonen. Ein einige Qubikmeter großer Granitblock erhitzt sich bei Beschuss innerhalb kürzester Zeit auf viele hundert Grad Celsius.

Kabel A in Buchse Y, Kabel B2 mit Stecker 7E verbinden... Kommen wir zurück zu unserem Beschleuniger. Damit es nicht zu langweilig wird, will man natürlich trotzdem irgendwas in den Strahl stellen3. Aber außer streunenden Katzen haben wir erstmal nichts, auf das wir den Strahl schicken könnten, also werden zunächst die mitgebrachten Utensilien im Strahlbereich aufgebaut: eine Kiste mit einigen Glasfasern, Photomultipliern und Sensoren drin, Ausleseelektronik, NIM-Racks und jede Menge Kabeln daneben. Die Verkabelung ist übrigens gar nicht so schlimm, wie es auf den ersten Blick aussieht. Nach nur 72 Gehirnknoten hat man in etwa verstanden, was da passiert.

Das Team beim Aufbau Dieses Aufbauen, Anschließen und Ausprobieren mit anschließendem Adjustieren kostete uns etwa anderthalb Tage. Alleine 4 Stunden gingen für einen merkwürdigen Fehler drauf, bei dem schleichend immer weniger gemessen wurde und wir alles mögliche vermuteten, aber nicht, dass das auslesende Notebook überhitzte und schließlich komplett den Geist aufgegeben hat.

Ob wir es dann am Ende doch geschafft haben, unser Experiment ans Laufen zu kriegen, wieso Bettina Bert hinter Gebäude 42 verloren hat und warum die Katze im Strahlbereich rumläuft und vor allem wie lange noch – all das gibts nach der nächsten Maus.

Bilder aus meinem Picasa-Album, aber vorsicht, mögliche Spoiler.

Die anderen Teile:
Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4

  1. Vertauschungen []
  2. die Nummerierung ist historisch gewachsen – neues Gebäude, nächst höhere Nummer []
  3. und natürlich kein Granitblock, das wäre irgendwie fad []