Anfang der Diplomarbeit

Diplomarbeit. Meine Mutter sagt immer, man könne auch eine Diplomarbeit über einen Bleistift schreiben, wenn sie ausdrücken will, wie vielfältig die Themengebiete einer solchen Arbeit sein können. Jetzt hat so ein Bleistift aber leider wenig mit Teilchenphysik zu tun, mein Thema wird also ein anderes sein.

Antizähler-Integration und -Inbetriebnahme bei AMS-02

Schemazeichnung von AMS Toller Titel, nur versteht damit keiner, worum es jetzt eigentlich geht. Das ist ein immanentes Problem bei Diplomarbeiten, die aufgrund ihres geringen Zeitumfangs (ca. 1 Jahr in Physik) immer nur einen Teil eines größeren Ganzen abdecken können.
Bei mir geht es um einen Teil (Antizähler) eines Großexperiments (AMS-02), das ich mehr oder weniger hauptverantwortlich übernehmen soll, weil der bisher dafür verantwortliche Doktorand nach Berkeley wechselt.

Zunächst kurz etwas zu AMS: Die zweite Version1 des Alpha Magnetic Spectrometers ist ein Teilchendetektor, der an die Internationale Raumstation angedockt die Bestandteile der kosmische Hintergrundstrahlung vermessen wird. Davon verspricht man sich neue Erkenntnisse über bisher unerklärte Teile des Universums2 und somit ein vollständigeres Weltbild.

AMS mit Position des ACC Der Antizähler (engl. ACC für Anti-Coincidence-Counter) soll dafür sorgen, dass man auch wirklich saubere Strahlungs­durch­gänge aufzeichnet. Passiert z.B. mit der Strahlung auf dem Weg durch den Detektor etwas, ist sie nicht mehr unverfälscht und somit relativ unbrauchbar. Erkennen tut man das an sekundärer Strahlung, die seitlich den Detektor verlässt — im Gegensatz zu einem sauberen Ereignis, das einfach von oben nach unten durchgegangen ist.

Gebaut war dieser Antizähler schon fertig, als ich in das Team dazugestoßen bin. Passenderweise fiel mein Anfang am Institut mit dem Einbau des Antizählers in den Restdetektor zusammen, so dass ich direkt einen schönen Einstieg hatte.
Jetzt geht es darum zu kontrollieren, ob alles rund läuft und das macht, was man erwartet. Dazu gehören zum einen die Auswertung von ziemlich vielen Daten am PC und zum anderen häufigere Aufenthalte bei AMS. Momentan steht das noch im CERN in Genf, wird aber bald nach Noordwijk3 verfrachtet. Dort stehen dann weitere Tests an, die die Weltraumtauglichkeit beweisen sollen und wenn das alles klappt, geht es nächstes Jahr im April nach Florida ins Kennedy Space Center — das ist da, wo die Space Shuttles immer starten.
Ich werde also im kommenden Jahr ziemlich viel unterwegs sein und was soll ich sagen: ich freue mich drauf!

Um nicht das Blog mit vielen langweiligen Statusberichten meiner Arbeit zu füllen, mache ich das im dafür eingerichteten Posterous-Blog „André macht Diplom„.4 Aber hier wird es (hoffentlich) auch ab und an Updates geben.

  1. die erste Version flog an Bord des Space Shuttles []
  2. Stichwörter sind hier Dunkle Materie und Antimaterie-Atome bzw. ganze Antimateriesterne []
  3. Das liegt an der niederländischen Küste []
  4. Danke an Andi, für die Inspiration []