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André in Turin: Der Anfang

Eine Übersicht über Turin mit Blick auf Piazza Vittorio Veneto.

Vorwarnung: Es werden einige Begriffe erwähnt, die mit meiner Doktorarbeit zusammen hängen, aber nicht richtig relevant für diesen Blogeintrag sind. Wenn ihr etwas also nicht versteht: denkt euch einfach Pinguin, Einhorn oder Raketenantriebssimulationsprogramm. Irgendwann werde ich meine aktuelle Beschäftigung auch mal allgemeinverständlich beschreiben.

Es ist soweit. Nach einem Jahr der Promotion folgt jetzt ein weiteres im Ausland — in Turin, Italien. Während ich das hier schreibe, sitze ich bereits südlich der Alpen und habe mindestens Internetanschluss, tatsächlich aber auch schon ein bisschen mehr.

Dazu gekommen ist es, als wir1 uns ca. zwei Wochen nach dem Start meiner Promotion zusammen mit den turiner Kollegen über die Zukunft unterhalten haben. Der Mikro-Vertex-Detektor (MVD) ist in zwei Bereiche aufgeteilt: Pixel- und Streifenteil. Für ersteren gibt es schon entsprechende Elektronikentwicklung, für letzteren noch nicht — die ausführenden Leute werden noch gesucht.
Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch relativ wenig Überblick, wusste aber das Thema meiner Doktorarbeit: Elektronikentwicklung im Streifenteil des MVD2. Der Übereinstimmungskoeffizient liegt bei ungefähr 1 und ich werde hellhörig. Ein paar lose Überlegungen und ca. zwei weitere Wochen später steht dann »fest«: André nach Turin!

So richtig fest war das »fest« dann aber doch noch nicht. Nur weil man die Idee hat, heißt das ja noch nicht, dass man den Passierschein A38 auch wirklich bekommt. Es folgte eine fast ein Jahr dauernde Oddysee durch Klärungsgespräche, Anträge für Gelder, Diskussionen mit Reisekostenstellen und ca. 491,3 E-Mails. Aber: Ende gut, alles gut, ich bin in Turin. Woohooo!

Mein neues Zimmer in einer Turiner WG. Noch etwas spartanisch, ich bin ja aber auch erst vor ein paar Tagen eingezogen.
André Goerres

Mein neues Zimmer in der WG Nr. 93. Noch etwas spartanisch, ich bin ja aber auch erst vor ein paar Tagen eingezogen und hatte nur leichtes Gepäck mit mir.

Wie das so ist, wenn man irgendwo neu anfängt: man hat erstmal ganz viel Krams zu organisieren. In meinem Fall zum einen das Verwaltungsgedöns am Institut (INFN4), zum anderen natürlich aber auch der Krempel, den man zum Leben hier braucht. Wie komme ich zur Arbeit? Wie beantrage ich eine Steuernummer (Codice Fiscale)? Und wo zum Teufel soll ich schlafen?

Während alles normalerweise recht schnell erledigt und mit der Hilfe der netten Menschen um mich rum ziemlich einfach ist, machte mir die Wohnung etwas größere Sorgen. Die Suche nach einer passenden hat nämlich noch ein paar verkomplizierende Parameter in der Gleichung, insbesondere meine fehlenden Italienischkentnisse sind eher so exponenziell unglücklich. Aber, glücklich wie ich bin, habe ich über vier Bekanntheitsebenen eine WG-Wohnung vermittelt bekommen, die ich mir angeschaut habe, für gut befunden habe und dessen beide Bewohner den komischen Deutschen auch aufnehmen wollten. Ein zweites »Wooohoooo!« ist also angebracht.

Wenn man die großen Fenstertüren meines Zimmers öffnet, erwartet einen eine typisch iatlienische Straßenzeile.
André Goerres

Wenn man die großen Fenstertüren meines Zimmers öffnet, erwartet einen ein Balkon mit Blick auf eine typisch iatlienische Straßenzeile.

Vor allem, weil die Wohnung wirklich super ist. Vier altbauhohe Zimmer, eines davon ein gemeinsames Wohnzimmer, dazu eine Küche mit Charme5 und ein großer, krempelbesetzter Flur. Der Weg zur Arbeit wird demnächst mit einem noch zu organisierenden Fahrrad bestritten6 und die Gegend selber ist kein Ausgehbereich, man hat Nachts also seine Ruhe. Sieht man von gelegentlichen Hupeinlagen ab. Überhaupt: die Hupe scheint in Turin das wichtigste Teil am Auto zu sein.

Jedenfalls, ich bin also jetzt hier, wohne mich ein und lasse mich langsam italienifizieren. Letzteres führt vor allem dazu, dass ich dauernd hupe schon zweimal unter der Woche raus war, was zuletzt in der Studentenzeit vorgekommen ist. Aber da die Arbeitszeiten hier eh ein wenig nach hinten verschoben sind, macht das nicht so viel aus.

Jetzt, wo die Basisdinge erledigt sind, freue ich mich unglaublich auf das bevorstehende Jahr hier. Woohoooo!

  1. Wobei ich bei dem »wir« eine eher zuhörende Rolle gespielt habe, so als Frischling. []
  2. Der konkrete Titel ist natürlich etwas … konkreter, der Sinn ist aber gleich. []
  3. Das steht zumindest auf dem Klingelschild []
  4. Instituto Nationale di Fisica Nucleare — die nationale Kernforschungsgesellschaft, die es quasi in allen größeren Städten gibt. Vergleichbar mit der Max-Planck-Gesellschaft in Deutschland. []
  5. lies: altmodisch. Aber das ist das ganze Gebäude, passt also. []
  6. Turin ist kein hügeliges Aachen, ideal also für Fahrradfahrer. Wenn man denn auf die Straßenbahnschienen aufpasst. []

Antizähler Ausbau

Zack, da ist die Woche wieder rum gewesen. Wir waren im CERN, um den Antizähler auszubauen. Nächste Woche wird er dann wieder in das neue Gehäuse mit dem Permanentmagneten eingebaut.

Dass wir eine gesamte Woche im CERN waren lag zum einen natürlich daran, dass man immer einen knappen Tag für die Reise braucht und zum anderen, dass es viele kleine Schritte sind, die man machen muss. Hier ein paar Klemmen lösen, da ein paar Schrauben drehen, dort ein paar Teile ausbauen… Und am Ende mussten wir noch testen, ob Lichtlecks im Antizähler waren.

Der Antizähler ist ein Szintillator, das heißt, wenn ihn ein Teilchen passiert, leuchtet er (mit sehr geringer Intensität) auf. Das wird dann von lichtempfindlichen Teilen (den Photomultipliern) wahrgenommen und in elektrische Signale umgewandelt.
Damit man aber diese schwachen Lichtblitze sehen kann, darf kein störendes Umgebungslicht in den Szintillator eindringen. Er muss also Lichtdicht sein. Und genau darauf haben wir mit einer Taschenlampe, einem Laserpointer, einem Oszilloskop, einer Hochspannungsquelle und ein paar Kabeln getestet. Wenn eine undichte Stelle gefunden wurde, wurde mit schwarzem Spezial-Silikon ein Häufchen drauf gesetzt und erneut geprüft, ob mit der Taschenlampe / dem Laser ein Effekt auf dem Oszilloskop sichtbar wird.

Am Ende hat alles geklappt und wir mussten auch nicht bis in die späten Abend-/Nachtstunden arbeiten. Also eine erfolgreiche Woche!

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Doch nicht so richtig Uff…

Ich hatte ganz vergessen, vom Ergebnis des Meetings zu berichten: Es war am Ende dann doch ein recht freundliches und produktives Meeting. Die Gespräche im Vorfeld hatten mich da schon anderes vermuten lassen.

Jedenfalls kam für mich raus, dass noch eine Information für den Antizähler fehlt, mit der man die Energie berechnen kann, die im Antizähler abgelegt wurde. Das ist bisher nur so hoppla-di-hopp implementiert worden, das sollte natürlich mal ordentlich gemacht werden. Da werde ich dann also demnächst mal die Informationen zusammensuchen, die man da so braucht.

Derweil sitze ich wieder hier im CERN, um den Antizähler auszubauen. Aber dazu in einem eigenen Beitrag mehr…

Uff!²

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Tja, da bin ich nun also hier am CERN. Reise wie immer, mit Mietwagen von Europcar. Immerhin sind die immer recht neu und etwas komfortabler als mein Corsa :)

Jedenfalls: gerade hier im Büro im CERN mit Hilfe von diesem Internet mal geguckt, wann ich morgen meinen Vortrag halten soll und ob das überhaupt schon bekannt ist. Zweiteres anscheinend noch nicht, also schnell noch per Mail angekündigt. Ich bin ja mal gespannt, was das morgen gibt. Das wirkt alles etwas … hm, chaotisch?

Uff!

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André kommt ins Institut. Betreuer fragt André, ob er morgen ins CERN fahren kann. André sagt ja. Uff!

Jedenfalls bin ich also morgen mal wieder runter. Auftrag: Am Analysemeeting den Antizähler vertreten. Inklusive einer kleinen Präsentation über die aktuellen Ergebnisse. Bin ich ja mal gespannt – man hat mich schon vorgewarnt, dass man da gerne und ausführlichsts auseinander genommen wird.

Der Tag heute war also damit geprägt, die Reise zu beantragen, Hotel zu buchen, alte Reise abzurechnen (was wegen Serverproblemen nicht geklappt hat) und natürlich die Präsentation erstellen und mit meinem Betreuer absprechen.

Antizähler Entkabelung im CERN – Tag 3

Beim Essen haben wir uns gestern Abend überlegt, dass wir uns eine Deadline setzen: ist die Abdeckung nicht bis spätestens Mittags runter, fahren wir wieder nach Aachen. Weil: einen Tag ranhängen wollen wir nicht, insbesondere weil das dann mit der Rückfahrt stressig wird (mein Betreuer und ich haben am Donnerstag abend Termine) und wir kein Hotelzimmer haben. Wobei zweiteres zu lösen wäre.

Jedenfalls: wir sitzen jetzt also hier im Reinraum, gucken den anderen bei der Arbeit zu und warten darauf, dass sie fertig werden (oder eben nicht). Zwischendurch fallen uns Kleinigkeiten ein, was man hier und da noch machen könnte, aber richtig viel tun können wir nicht.

Ich bin ja mal gespannt, wann es heute wieder in Richtung Heimat geht.