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Fliege Franz, ein alter Haudegen

Fliege Franz

Das da oben ist Fliege Franz. Beim Beobachten von Franz bin ich ins Grübeln gekommen.1 Wie es wohl gekommen ist, dass er nur noch vier Beine besitzt2 und warum er gerade hier in meinem Zimmer gelandet ist. Jedenfalls ist das die Geschichte, wie ich sie mir vorstelle.

Franz, das ist ein alter Haudegen vom alten Schlag der Mittzwanziger3 und hat viel erlebt in seinem Leben. Momentan macht er einen Tag Pause, nascht von den Keksresten, die ich so auf den Boden gekrümelt habe und erzählt mir von seinem Leben und wie er zwei Beine verlor, während er auf seinem Lieblingsplatz, der Zimmerpalme, sitzt.
Ein aufregendes Leben hat er geführt bisher. Es fing schon in der Kindheit an, auf der Kuhweide bei Bauer Heinrich Hölpel. Näckisch hat er die Kühe geärgert, ist ihnen um die Augen getänzelt und hat das einfache Bauernleben genossen. Auch wenn es hieß, früh aufzustehen um den Weg der Kühe zur Weide nicht zu verpassen, es gefiel im.

Da Fliegen keine Kalender führen, konnte er mir nicht sagen, wann genau es war, als der Ruf zum großen Kampf am Otterteich kam. Verteidigung gegen die Terroristen im gelb-schwarz-gestreiften Umhang. Jeden Moment könne ein geplanter Anschlag passieren, da müsse man vorbeugen, hat man ihm gesagt.

Aber Franz ist kein Kämpfer, Franz ist ein Abenteurer. Er schnappte seine … äh … Flügel und schwang sich auf das nächste Auto um weit weg vom Otterteich zu kommen. Diese Art der Reise war nicht ganz ungefährlich – schnell konnte es passieren, dass man den Halt verlor und in den Gegenverkehr geriet. Und da halfen einem dann auch nicht mehr die Reflexe einer Fliege.
Aber wie schon gesagt, Franz war Abendteurer, und so legte er Strecken zurück, die keiner aus seiner Sippe vorher zurückgelegt hat. Einmal war er sogar an diesem großen Teich, der so groß war, dass man das andere Ufer gar nicht sah. Selbst von ganz oben auf den Schiffsmasten nicht. Aber das ist nochmal eine eigene Geschichte, sagt er.

Jedenfalls ist Franz rumgekommen. Norden, Osten, Süden und ein bisschen Westen. Die heikelste Situation, in der er sich je befunden hat, war zugleich eine der klassischsten: ein Spinnennetz.4 Er war kurz abgelenkt durch diese heiße Biene5 und zack, hing er da im Netz. Der Inhaber des Netzes war zum Glück gerade Seidenpolitur einkaufen und Franz hing auch nur mit einem Bein am seidenen Faden.
Während er also versuchte, sich aus einem in der Nähe befindlichen Ast, einem Tautropfen und einem Blütenblatt ein Katapult zu bauen verhakte sich auch noch ein zweites Bein im Netz.
Das Katapult hat er trotzdem fertig bekommen, irgendwie. Er hat’s geschafft, zwei seiner Beine aber leider nicht. Traurig, aber er lebt.

Vieles hat er erlebt, vieles will er noch erleben. Er überlegt, eine Schule in einer entlegenen Region für Fliegenkindern mit amputierten Beinen zu errichten. Oder nochmal zu diesem riesigen Teich, da gab es so leckere Fischreste. Oder noch weiter weg.
Jetzt hat er sich hier erstmal zur Ruhe gelassen und legt eine kleine Pause ein. Sich vom Schock des Spinnennetzes erholend und die Wärme des Zimmers genießend blickt er nach draußen auf den Regen.

Franz mag keinen Regen.

  1. Übrigens sehr erstaunlich: ich habe keinmal daran gedacht, die Fliege irgendwie nach draußen zu befördern oder sonst wie ruhig zu stellen. Dabei regen mich Fliegen in meinem Zimmer immer mäßig auf. []
  2. Das mit den vier Beinen sieht man auf dem Bild oben nicht so gut, dafür aber auf dem prinzipiell schlechteren Bild bei TwitPic. []
  3. Kalenderwochen im Jahr 2009 natürlich. []
  4. Und natürlich war es auch ein Grund, warum er jetzt gerade hier ist. []
  5. Franz ist als Abenteurer offen für exotisches, sagt er []

Da ist der Wurm Elefant drin

Meiner Nachhilfeschülerin hat letztens ein Typ seine Geschichte erzählt, wie er einmal ein Auto kaufte. Er hatte zusammen mit seiner Frau vor, sein neues Auto selber vom Werk abzuholen. Auf der Rückfahrt wollte die Frau unbedingt in einen Wildpark und in diesem dann unbedingt das Fenster aufmachen um die dortigen Elefanten (!) zu füttern. Ob der Ungewohnheit der Bedienelemente des neuen Autos machte sie aber nicht das Fenster sondern das Verdeck auf. Der Anblick der Maus auf dem Beifahrersitz erinnerte den Elefanten wohl an die Maus vom letzten Besuch im Porzellanladen. Dieser trampelte dann nämlich erstmal auf die Motorhaube um sie mit einer schönen und aerodynamischen Delle zu tunen.

Daraufhin brauchte der Mann erstmal etwas zu trinken und an der nächsten Raststätte kippten die beiden sich ordentlich Alk rein, hätte der junge Dohm jetzt gesagt. Am nächsten Morgen ging die Fahrt über die Autobahn weiter, welche aber einige Staus aufzubieten hatte. In einem solchen bremste der Vordermann ziemlich blöd, der Mann mit dem neuen Auto fuhr auf und der Hintermann ließ sich nicht lange bitten und wollte auch beim Autogruscheln mitmachen.

Die anrückende Polizei untersuchte den Unfallhergang und konnte sich die dicke, Unfall untypische Beule auf der Motorrhaube nicht erklären und fragte nach. Die ehrliche Antwort, „Da vorne, ein Elefant!“ „Das war ein Elefant gewesen, der hat da drauf getreten“, fanden die Polizisten wenig glaubwürdig und ließen erstmal blasen (in das Röhrchen mit Elektronik, nicht das Röhrchen mit Fleisch). Das Messergebnis brachte Ernüchterung: Fahren unter Alkoholeinfluss. Zwar nicht viel, aber ausreichend, dass er Schuld war. Damit musste er den (teilweise Total-) Schaden am eigenen und an den beiden anderen Autos komplett übernehmen.

Fazit: Niemals eine Maus in einen Porzellanladen stecken, es könnte ein Elefant vorbeigeflogen kommen!