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Haldern Pop 2009

Ich will hier nur Allgemeines zum Festival festhalten. Zur Musik schreibe ich vielleicht noch etwas eigenes, mal gucken…

Nachdem ich mich letztes Jahr schon darüber geärgert hatte, nicht zum 25.-Jubiläums-Haldern-Pop-Festival mit einigen guten Bands zu gehen, habe ich dieses Jahr die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und mich auf dieses kleine Festival am Niederrhein begeben.

Haldern Pop? Kenn ich nicht …
Athlete spielen auf dem Haldern Pop 2009. Es hat gerockt! … ich auch (bis letztes Jahr) nicht. Immerhin ist es wirklich relativ klein, nur ca. 5500 Karten werden an selbsternannte Musikentdecker und -liebhaber vergeben, die dann im Lineup eine feine Auswahl an aufstrebenden und zumeist guten Bands erwartet, die man sonst vielleicht nicht so häufig sieht. Und wie es für einige mit dem Festival an sich ist, so verhält es sich auch für einige dort spielende Bands: man kennt sie nicht.1
Aber das nicht kennen gehört zum Konzept. Als ich mir die Karte gekauft hatte kannte ich schlicht gar keine Band. Irgendwann haben dann Fettes Brot2, The Soundtrack of our Lives und ganz kurzfristig noch Athlete bestätigt, davon abgesehen alles weiße Flecken auf meiner Musiklandkarte. Ich war aber bisher auch noch nicht so sehr dahinter, neue Bands zu entdecken. Das, soviel kann ich schonmal sagen, hat sich durch das Haldern definitiv geändert.

Das Gelände
Die absichtlich gering gehaltene Anzahl an Besuchern macht es möglich, dass das Festvial-Gelände mit den Bühnen auf einen alten Reithof, der Camping-Platz auf eine Kuhwiese und das gesamte Festvial in direkt Nachbarschaft zum Ort Haldern am Niederrhein passt. Letzteres ist übrigens sehr praktisch, um Last-Minute-Einkäufe im Real zu tätigen oder einfach mal eine Pizza zu normalen Preisen essen zu gehen.

Die kleine Bühne, das »Spiegelzelt«. Auf dem Festivalgelände selber gibt es zwei Bühnen: eine kleine, 800 Leute fassende Zeltbühne, »Spiegelzelt« genannt. Durch die Innenausstattung3 ergibt sich eine sehr stimmige Atmosphäre und bei von außen angelegter Sonne steigert sich das auch gerne mal zur Saunaatmosphäre mit Schweißaufguss. Aber das ist ja bei anderen Zeltbühnen nicht anders. Die andere, große Bühne, schlicht »Hauptbühne«, ist eine klassische Open-Air-Bühne mit genügend Platz drumherum.

Das Gefährt (Auto/Motorrad/Bus/Trecker) wird neben dem Zelt abgestellt, genügend Platz ist dafür vorhanden. Allgemein wirkt es nicht so gedrängt wie z.B. beim SouthSide, wo einen die Veranstalter schonmal bitten, auch Zelte unter die Pavillons zu bauen. Und dennoch ist man nicht mehr als 15 Minuten zum Festivalgelände unterwegs, auch wenn man4 an der hintersten Ecke auf dem Platz gelandet ist.
Ach ja: Sollte man schon vorher abreisen müssen, empfiehlt es sich das Auto auf dem Extraparkplatz abzustellen — es könnte sonst sein, dass man von lauter Zelten eingeparkt ist.

Die Leute
Das Wohnzimmer auf dem Campingplatz. Inklusive selbst gepflanzter Sonnenblume. Dass man sein Gefährt direkt neben das Zelt stellen kann führt zwangsweise dazu, dass die Leute auf die verrücktesten Ideen kommen, was sie so mitnehmen könnten – man muss schließlich nicht schleppen. Das fängt an bei diversesten Musikanlagen-Eigenkonstruktionen5, Pavillons bewachende Keramikhunde6, Dr. Dickson und jede Menge Sofas. Unglaublich, fast jede zweite Gruppe hatte mindestens ein Sofa dabei, teilweise gar ganze Sofa-Sitzgruppen für ausgewachsene Gruppen anonymer Musikabhängiger.
Wenn dann noch der Faktor “Bauer” dazukommt, dann wird gleich mit Trecker inklusive Bauwagenanhänger oder alternativ ein zum Schlafwagen umfunktionierten Schweinetransporthänger angereist. Zweiterer hat natürlich gleich den praktischen Vorteil eines als Terrasse nutzbaren Dachs7.

Wozu so ein Schweinetransporter nicht so alles gut ist. Was die Leute anscheinend an Kreativität in wohnliches Equipment gesteckt haben fehlt ihnen dann in Abgefahrenheit bei sich selbst. Auf dem SouthSide laufen die verrücktesten Typen rum: in brütender Hitze im Hasenkostüm einen Einkaufswagen mit Typ im Königsumhang vor sich herschiebend oder ein 100 Mann/Frau starker Trupp einen Musik-Bollerwagen8 in die Duschen folgend um dort auch noch nach der letzten Band ein wenig zu feiern. Sowas gibt es beim Haldern anscheinend nicht oder in so geringer Anzahl, dass mir niemand aufgefallen ist. Es fehlt aber auch irgendwie nicht.

Die Hygiene
Ein Punkt, in dem ich generell eher unempfindlich bin. Notfalls komm ich ohne Duschen aus, bei der Toilette bin ich auch nicht der pingeligste wenn es drückt und Müll gehört zum Festival dazu wie die Bands und Bändchen. Irgendwie.
Jedenfalls bin ich positiv überrascht worden, wie sauber es allgemein dort ist: Der Campingplatz ist, bis auf die Kuhfladen9 und vereinzelte Müllgrüppchen, recht sauber. Selbst die Dixies sind erstaunlich gepflegt für Dixie-Verhältnisse. Zusätzlich gibt es noch wirklich gute Wassertoiletten mit Händewaschmöglichkeit in der Toilette für 0,50€ außerhalb des Festivalgeländes und kostenlos innerhalb. Was die Duschen angeht: sie kosten 1,50€ und liefern dafür warmes Wasser mit ausreichendem Druck. Kann man definitiv bezahlen, wenn nur nicht die elendig lange Wartezeit bei den Duschen wäre.

Die Atmosphäre und der See
Der See in der Nähe von Haldern. Super Erfrischung - und hey: Festival und See! Aber zum Glück gibt es ja eine Alternative: Den See. Richtig, der See! In der Nähe10 befindet sich ein kleiner See, der zum Schwimmen geeignet und offen für alle Festivalbesucher ist. Das Wasser ist sauber und besonders bei heißen Tagen extrem erfrischend. Und selbst die Bands lassen es sich meistens nicht nehmen und springen für eine Runde ins kühle Nass.

Ach ja, Bands: Dieses Jahr hat man sie — wenn sie nicht gerade auf der Bühne standen — an einem roten Armbändchen erkannt. Und man hat viele rote Armbändchen im Publikum gesehen, die sich dann mit ihren (Liebes-)Gefährten Gleichgesinnte aus dem Pulk heraus anguckten. Wohl auch ein Tribut an den teilweise geringen Bekanntheitsgrad, aber mit Sicherheit auch an die Einstellung der Besucher allgemein, dass dann nicht hingerannt und irgendwie bequatscht wird.

Die improvisierte Dusche neben der Hauptbühne sorgte für gute Abkühlung. Es wirkt alles sehr locker und so, als wenn alles andere falsch wäre. Nicht nur das mit den Bands, die mit den Besuchern schwimmen und andere Bands anhören. Oder die Menschen, die in Sofas chillen und teilweise mit ihren Kindern eine nette Zeit haben wollen.
Auch Kleinigkeiten fügten das Gesamtbild wie die Flaschenpfand einsammelnden Dorf-Kinder mit Bollerwagen oder die improvisierte Sprenkelanlage am von Sonne fast schon geplagten Samstag. Neben der Hauptbühne wurde ein mit feinen Löchern versehenes Rohr an die Frischwasserleitung angebracht und so eine Dusche mitten auf dem Festivalgelände eröffnet. Eine sehr willkommene Abkühlung und Garant für Spaß. Und dabei so herrlich unkompliziert.

Haldern Pop! Sollte man kennen …
… denn alles andere wäre falsch.
 

Bilder
Das Bild vom See ist von Verena, der Rest von mir. Weitere Bilder von mir gibt es bei Flickr (ausgewählte) und Picasaweb (alle).
Update 10:10 Uhr: Stefan Daub hat auf seiner Seite jede Menge offizieller und wunderbarer Fotos von Bands hochgeladen. Click

  1. Abgesehen von den ein, zwei großen Headlinern. []
  2. die zwar nicht meine Musik sind, aber immerhin eine gute Show machen []
  3. Stoff an der Decke und bunte Spiegel, wer hätte es gedacht, an den Wänden []
  4. wie wir []
  5. die erfreulicher Weise mit größtenteils humaner Lautstärke betrieben wurden []
  6. á la Gartenzwerg in groß mit weniger Bart und Mütze aber dafür mehr Fell. []
  7. Dachs, nicht Dachs. Also das Dingen auf dem Haus, nicht das Tier mit dem Bau. Ihr wisst schon. []
  8. Bollerwagen mit Musikanlage drauf, eigentlich logisch, oder? []
  9. Schaufel einpacken! []
  10. 15-30 Minuten Fußweg, je nach dem von wo auf dem Campingplatz man kommt und wo man den Einstieg in den See wagen will []