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Motorradfahren

Transalp in front of Lac de Roseland
André Goerres

Meine Transalp vor dem Lac de Roseland (franz. Alpen), einer der schönsten Plätze bisher (2013).

Sachen. Ich besitze nun schon seit 7 Jahren ein Motorrad, bin begeistert von der Fahrerei an sich und fahre mal mehr, mal weniger1 mit dem motorisierten Zweirad durch die Gegend. Aber hier im Blog habe ich, wenn dann, immer nur am Rande über mein Hobby geschrieben. Da mein Sonntag gerade eh verregnet ist, nutze ich die Gelegenheit und tippe mal ein paar Zeilen.

Warum überhaupt Motorradfahren?

Ich auf meiner Transalp in der herbstlichen Eifel.
André Goerres

Ich auf meiner Transalp in der herbstlichen Eifel (2007).

Gute Frage. Sieht man es nüchtern2, ist es total bekloppt. Man hat keine Knautschzone, es ist laut, unbequem auf langen Strecken, man ist dem Wetter ausgeliefert und Gepäck kann man nur umständlich mitnehmen, geschweige denn mehr als eine Person3. Hört sich nach einer invertierten eierlegenden Wollmilchsau an. Und trotzdem fahren viele Leute Motorrad. Warum das so viele Leute tun weiß ich nicht, für mich aber ist es eine Mischung aus Freiheit und Abenteuer, die einem weit mehr gibt als nur von A nach B zu fahren.

Insbesondere, wenn man es mit einer Autofahrt vergleicht. Denn beim Auto befindet sich um die eigene Biomasse etwa eine Tonne Metall die einen sicher und komfortabel hält. Unvermeidbar kommen damit auch Sichtfeldeinschränkungen durch die Karosserie, die einen immer umgeben. Beim Motorradfahren hat man zwar auch eine Einschränkung durch den Helm, die ist aber wesentlich kleiner und vor allem stationär im Blickfeld. Soll heißen: wenn ich meinen Kopf bewege, bewegt sich der Helm mit und man hat eine konstante Abdeckung des Sichtfelds. Und weil das Gehirn dauernd optimiert, wird der konstante Bereich einfach ausgeblendet und man hat nur noch Natur um sich herum.
Wenn man dann auf einer abgelegenen Alpenstraße daher fährt und kaum bis gar keinen Verkehr um sich hat, kann man die Aussicht gleich ganz anders genießen. Und es macht natürlich auch unglaublich Spaß, denn das Motorrad mit nur etwa 200 Kilogramm ist wesentlich agiler und sportlicher. Leider führt das wiederum dazu, dass es ziemlich gefährlich ist. Denn, machen wir uns nichts vor, Motorradunfälle verlaufen häufig nicht gerade angenehm für den Fahrer.

Meine Faustregeln für sicheres Fahren

Die Transalp auf dem St. Gotthard Pass, inklusive Schnee (2013).
André Goerres

Die Transalp auf dem Gotthardpass. Auch wenn rechts und links Schnee liegt, kann man sicher ankommen. (2013).

Ich fahre, wie gesagt, seit 7 Jahren Motorrad und hatte bisher noch keinen Unfall. Einen gewissen Anteil dieses Erfolgs schiebe ich dabei auf meine eigene Verhaltensweise. Hier mal ein paar Punkte, die ich beherzige:

  • Ich fahre niemals angetrunken.
  • Für Touren über Landstraßen trage ich volle Schutzkleidung. In der Stadt bin ich da allerdings meistens zu faul zu4 und reduziere es auf Helm, Handschuhe und Jacke.
  • Ich versuche, für andere mitzudenken. Das heißt: Kommt ein Auto aus einer Einfahrt, überlege ich schonmal, ob und wohin ich ausweichen könnte, falls ich übersehen werde. Da denkt man natürlich nicht immer dran und man kann auch nicht alle Manöver der anderen vorhersagen, es hilft aber trotzdem es häufig gar nicht erst brenzlich werden zu lassen.
  • Ich fahre nur sportlich, wenn ich es verantworten kann. Das heißt, ich brauche einen vernünftigen Untergrund, keine anderen Verkehrsteilnehmer die unerwartete Sachen machen könnten und eventuelle Sozia werden mit berücksichtigt.
  • Überholt wird auch nur, wenn es geht. Nicht auf der Gegenspur in einer Kurve. Nicht vor einer Kuppel. Allgemein einfach nicht, wenn ich nicht weiß, ob mir einer entgegen kommen könnte.

Trotz dieser Regeln habe ich Spaß am Fahren und zeitgleich fühle ich mich ein bisschen sicherer dabei. Einen weiteren Sicherheitsaspekt kann man schon vor der Abfahrt bedenken, nämlich wann und woher man fährt.

Meine Strecken zum Motorradfahren

Ich komme aus Aachen, direkt vor der Tür ist also die Eifel mit vielen wunderschönen Strecken durch die Natur. Leider gibt es einige Motorradfahrer, die das Motorradfahren etwas angehen als ich (siehe vorheriger Abschnitt), und gerade am Wochenende scheinen sie sich zu häufen. Das führt dann dazu, dass an Samstagen und Sonntagen die Eifel geradezu überfüllt ist von Motorrädern mit hohem Idioten-Quotienten (IQ5). Nää, muss ich nicht haben. Wenn ich am Wochenende fahre, fahre ich dann lieber in die Niederlande oder nach Belgien. Insbesondere letztes hat sehr viele schöne kleine Straßen und Orte mit wenig Verkehr.

Mit dem Motorrad auf dem Weg zum Haldern-Pop-Festival (2009)
André Goerres

Vollgepackt mit dem Motorrad auf dem Weg zum Haldern-Pop-Festival (2009).

Meine Ausflüge sind aber nicht nur auf das Aachener Umland beschränkt. So hat es mich 2009 nach Genf vertrieben, inklusive angrenzendem Jura-Gebirge. Und für diesen Sommer ist mein Motorrad zusammen mit mir in Turin. Ein Paradies für Motorradfahrer, denn die Alpen sind nur 1-2 Stunden entfernt. Bisher sagt mein Alpenpasszähler neun, mit dabei der höchste (2.764 m) und dritthöchste (2.746 m) Alpenpass. Leider habe ich innerhalb der Woche keine Zeit zum Fahren und viele Wochenenden war ich mit anderen Sachen beschäftigt, sonst wären es noch wesentlich mehr Touren gewesen.
Eins weiß ich aber ganz sicher: irgendwann komme ich wieder! Denn hier gibt es noch so viele Strecken, die ich noch nicht gesehen habe.

Ebenfalls sehr interessant war meine Fahrt zum Festival, inklusive Klamotten, Schalfsack/Isomatte, Zelt, Klappstuhl, zwei Paletten Bier, andere Lebensmittel und Pavillon. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass man so viel so vernünftig auf dem Motorrad verstauen kann (siehe das Foto rechts oben).

Honda Transalp XL 650V

Mein Motorrad im heimischen Garten (2007).
André Goerres

Mein Motorrad im heimischen Garten (2007).

Auf all diesen Strecken begleitet mich meine Honda Transalp zuverlässig. 650 Kubikzentimeter mit 53 Pferdestärken sind absolut ausreichend, nur mit Sozius könnte man für Überholmanöver manchmal ein bisschen mehr Reserven haben. Das Fahren an sich ist aber äußerst bequem (für Motorradverhältnisse): ich sitze sehr aufrecht und es gibt wenig Vibrationen.
Was ansonsten noch so fehlt, habe ich über die Zeit erweitert. Zum Beispiel die Kfz-Eurosteckdose für das Handy/Navigationsgerät oder die höhere Sitzbank. Die Arbeiten, die so beim Motorrad anfallen, erledige ich meistens selber, wenn ich irgendwie die Zeit dazu finde. Dankenswerterweise sind Motorräder nicht so kompliziert aufgebaut wie Autos und damit durchaus Schrauberfreundlich. Und falls man doch mal nicht weiter weiß gibt es einige Reparaturhandbücher und ganz viel Hilfe im Internet.

Insgesamt bin ich jedenfalls mit diesem Motorrad hochzufrieden und werde, wenn es mich denn lässt, noch viele Kilometer damit zurücklegen.

  1. Unterm Strich leider zu wenig. Zumindest ist immer irgendwas (keine Zeit, schlechtes Wetter, faul, Mars im Orion, …). []
  2. Betrunken wahrscheinlich auch. []
  3. Wobei eine Person die Anstrengung schon deutlich erhöht. Eigentlich ist alleine auf dem Motorrad am Besten. []
  4. Vor allem sind Hose und Schuhe auch nicht so bequem abseits vom Motorrad. Ich bräuchte also häufig Wechselkleidung. []
  5. Nicht zu verwechseln mit dem Insel-Quotienten oder dem Indoktrinations-Quotienten. []

Ich auf Achse #1

Liebe Leser, im Anschluss folgt nun eine Reihe von André Goerres, in der es um eine abenteuerliche Reise auf dem Motorrad, kollidierende Schwarze Löcher und rockige Festivalerlebnisse geht. Wir wünschen Ihnen viel Spaß dabei.

*snip*

Es fing mit dem kühnen Gedanken an, zum SouthSide mit dem Motorrad anzureisen. Endlich eine Gelegenheit, mal etwas weiter als nur bis in die Eifel zu fahren. Dann gesellte sich bald die Gelegenheit dazu, _DAS_ Forschungszentrum auf der Welt für Teilchenphysik, dem CERN, einen Besuch im Rahmen meiner Arbeit bei der RWTH ab zu statten. Doch würde diese Reise nicht zu viel des Guten sein?

vollgepacktes Motorrad Egal, man wächst mit seinen Aufgaben! Also einfach mal Sachen packen, sich selbst den Helm auf und das Gepäck aufs Gefährt schnallen und schon kanns losgehen. Immer der Nase nach dem Navi nach in Richtung Tübingen, zu meinem ersten Zwischenstopp. Der Mayr war so freundlich, mich für eine Nacht bei ihm aufzunehmen.
War die erste Etappe noch recht unspektakulär (einzig zwei richtig dicke Staus, die durch den Rückreiseverkehr vom Rock am Ring bedingt waren und mich ziemlich ankotzten, sind hier zu erwähnen), so wurde die zweite umso besser. Es ging durch enge Schluchten in den Voralpen, weite Landstraßen in Frankreich und schließlich über einen herrlichen Pass, der über das Jura führte1. Auch einsetzender, kräftiger Regen konnte die frohlockende Bikerstimmung in mir nicht trüben.

CERN Visitor-ID Meine Ankunft im CERN gestaltete sich schließlich eher chaotisch. Knappe Zeit drängten mich, das Hotel schnellstmöglich zu beziehen, sonst hätte ich mich spontan unter den Teilchenbeschleuniger legen müssen. Dummerweise durfte ich ohne Erlaublis nicht auf das Gelände und die Kollegen – alles alte Hasen, die sich auskennen – waren natürlich noch unterwegs. Also erstmal irgendwie irgendwo einen Ausweis besorgen. Eingerostete aktive englische Sprachkenntnisse taten da ihr übriges: Stress!

Entspannen im CERN Mit vorläufigem Visum Besucherausweis, ohne Internet und Bekannte in Reichweite aber einem Hotelzimmer genoß ich erstmal die Dusche und ein bequemes Bett um schmerzende Schultern und geschundenes Gesäß auszuruhen. Natürlich nicht ohne Serie/Film, die Zeit bis zur Ankunft der Kollegen musste ja irgendwie überbrückt werden.

Und wie der André es geschafft hat, doch noch die Kollegen zu finden, Zugang zum Internet zu bekommen und Tauben mit dem Teilchenstrahl zu beschießen, erfahrt ihr nach der nächsten Maus.

Bilder aus meinem Picasa-Album, aber vorsicht, mögliche Spoiler.

Die anderen Teile:
Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4

  1. wenn ich in den nächsten Tagen mal ein wenig Zeit zum Motorradfahren habe, werde ich von der gefühlt 20 km langen Abfahrt nach Genf mal ein paar Bilder machen []

intelligente Ampel

Letztens in der Eifel gewesen und auch zwischendurch mal nach Hause gefahren. So geschah es, dass ich Nachts um viertel vor 12 an einer Ampel in der Eifel stand (Ort war Kesternich, also zwischen Lammersdorf und Rursee). Die Ampeln, derer es an der Kreuzung zwei direkt hintereinander gab, zeigten natürlich rot, sonst hätte ich ja nicht angehalten.

Nach ca. 2 Minuten (gefühlten 5) Wartens habe ich mich gefragt, was hier nicht stimmt. Das Motorrad stand definitiv über (bzw. schon nach) der Induktionsschleife, also dachte ich mir, ist diese sicherlich ausgelöst worden, wenn sie denn überhaupt dafür zuständig war, die Ampel zum ergrünen zu bringen. Also bin über die Erste bei rot zur 10 m weiter vorne gelegenen “Hauptampel” gefahren um mir besseren Überblick zu verschaffen. Irgendwann fiel mir auf, dass die Fußgängerampeln allesamt rot zeigten – über einen längeren Zeitraum. Vorsichtiges Vortasten in Richtung Kreuzungsmitte ergab eine erweiterte Lageeinschätzung: Alle Ampeln dieser Kreuzung zeigten rot.

Meine Schlussfolgerung: Diese Kreuzung wurde von einer sog. intelligenten Ampel betrieben, die in dem nächtlichen Teil des Tages permanent auf rot steht (wahrscheinlich zur Verkehrsberuhigung) und beim Erreichen der Ampel, genauer gesagt beim Erreichen der Induktionsschleife, auf Durchzug stellt. Dummerweise hatte irgend so ein Horst vergessen zu beachten, dass ein Motorrad wesentlich weniger metallische Masse mit sich bringt, um die Schwelle der Induktionsschleife zu knacken.

Ich hätte also als Motorradfahrer an der Ampel warten müssen, bis entweder ein Autofahrer genädig genug ist, mir die Ampel umzuschalten oder der Tag graut und die Ampelschaltung in den Normalbetrieb übergeht. Pffff! Da fahr ich doch lieber über rot.

Krekel

Motorrad, bepackt

Die Sachen sind gepackt, das Gefährt aufgetankt (… nicht) und das nicht vorhandene Geld sicher verstaut – auf gehts auf eine Reise. Wenn auch nur ins 61 km entfernte Krekel1 und nur für 5 Tage.

Dort wartet eine Meute Kinder darauf, von Saskia und mir mit Futter in dem dortigen Pfadfinderhaus verpflegt zu werden. Gibt nett Geld dafür und ich habe kein Internet, was bedeutet, dass ich endlich mal zum Lernen kommen werde.

Bis Freitag also.

  1. kurz vor Blankenheim, von Aachen aus gesehen []