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kaioo – das neue studiVZ?

Update 29.01.: Ich bin mit dem Text irgendwie nicht so ganz zufrieden. Ich werde ihn in absehbarer Zeit neu verfassen, aber damit warte ich noch bis nach den Klausuren.

Ich hab mich ja letztens schon über die Nutzer des studiVZ aufgeregt, aber es geht anscheinend noch besser. Ich bin jetzt schon mehrfach im studiVZ über Werbung für kaidoo gestoßen, eine weitere Social Network Site. Sie wird immer groß beworben als das bessere Netzwerk: der Gewinn wird gespendet und die Nutzer entscheiden, wohin1. Außerdem werden keine Daten an Dritte weitergegeben.

Das hört sich ja alles ganz nach der ultimativen, blumigen, sozialen Web-2.0-Welt an, die wir uns alle wünschen. In der alle nett zueinander sind und Überschuss an die Armen gespendet wird. Leider kann ich das nicht glauben, so gerne ich es wollte.

Auch ich habe mir dann aus Neugier mal einen Account dort gemacht, einfach um mal zu gucken, was mich da erwartet. Versprechungen hin oder her, wenn das Netzwerk gut ist, bin ich gerne Bereit ein Teil dessen zu sein. Allerdings bin ich nicht so recht warm mit der Seite geworden. Zwar ganz viel AJAX und so mordernes Technikgefummel für den Browser, aber die Struktur ist irgendwie nicht ganz so klar wie z.B. im studiVZ und wie ich finde viel zu überladen2. Außerdem funktioniert es einfach noch nicht so gut. Was nützt mir die tollste Technik, wenn ich beim Durchsuchen der anderen Leute an der RWTH nur bei jeder zweiten Seite Menschen sehe, weil die anderen nur eine schlichte Fehlermeldung enthalten.

OK, Kinderkrankheiten, das kommt vielleicht noch alles (wobei ich bei der Struktur skeptisch bin, aber notfalls könnte man sich daran auch gewöhnen). Ich will hier mehr auf Ideen und mal wieder die AGB eingehen.

Zunächst einmal der Grundgedanke: bei kaidoo geht es um das soziale Netzwerk, nicht um Gewinn. Jeglicher Gewinn durch Werbeeinahmen wird gespendet. An dieser Stelle möchte ich eine kleine Zeitreise ins Jahr 2005 machen, als das studiVZ angefangen hat. Mit den Studenten aus Berlin, die es als Freizeitprojekt starteten, und ein paar experimentierbereiten Mitgliedern begann ein soziales Netzwerk. Zunächst wurde immer versprochen, keine Werbung einzubinden, Spenden würden ausreichen – schließlich wolle man keinen Gewinn schlagen. Dann musste doch Werbung her, weil zu viele Nutzer kamen und als es einmal lief, ließ man es sich auch nicht nehmen, ein wenig Geld einzusacken. Das ging dann mit Verkauf etc. noch weiter, will ich hier aber gar nicht weiter behandeln.

Worum es mir geht ist, dass auch das studiVZ angefangen hat, ohne Gewinn machen zu wollen – zumindest hatte man als Nutzer den Eindruck. Dass dieses Vorhaben schwierig durchzusetzen ist, wenn man einerseits einen Haufen Nutzer hat, andererseits aber nicht unbedingt so bekannt und als so allgemeinnützig angesehen wird, wie z.B. die Wikipedia, sollte klar sein. Und wenn man schonmal dabei ist, mit Werbeeinahmen ein Geschäft zu leiten, dann will man dieses natürlich auch optimieren – und nicht zuletzt davon auch profitieren, man steckt schließlich verdammt viel Arbeit rein.

Also sollte man vorsichtig sein, mit derlei Versprechungen, wenn ein Projekt noch jung ist und noch längst nicht der Normbetrieb aufgenommen wurde. Verdammt vorsichtig sollte man sein, wenn schon am Anfang die AGB einige, in meinen Augen, äußerst fragwürdige Punkte enthalten. Betrachten wir die also mal genauer:

Mitgliedschaft

[…] Die bei der Registrierung abgefragten Daten sind wahrheitsgemäß und vollständig anzugeben. kaioo kann diese Daten auf ihre Richtigkeit und Vollständigkeit überprüfen.
[…] kaioo kann eine Mitgliedschaft insbesondere dann kündigen, wenn der Verdacht besteht, dass das Mitglied bei der Registrierung falsche Angaben gemacht hat, […]

Bei kaioo3 ist es also verboten, irgendwelche falsche Namen, Abkürzungen, Pseudonyme oder sonst wie namensverfälschende Sachen zu verwenden. Dass kaioo mit der Kündigung des Accounts droht, ist da nicht weiter verwunderlich (und leider gängige Praxis). Was mich hier auch besonders verwundert ist die Formulierung, dass kaioo angeblich die Daten überprüfen kann. Mal abgesehen davon, dass ich es technisch für schwierig halte und bezweifle, dass sie das können, finde ich es äußerst bedenklich, dass sie sich die Möglichkeit offen halten.

Deaktivierung des Accounts

[…] kaioo behält sich vor, bei berechtigtem Interesse […] die Daten vorerst weiter zu speichern.

Sollte es dann doch dazu kommen, dass der Account gelöscht wird, sei es nun von Seiten des Nutzers oder von Seiten kaioos, bleiben die Daten (eventuell) weiterhin vorhanden, wie lange wird nicht gesagt. Also kann es schlimmstenfalls sein, dass alles, was ihr dort irgendwann einmal eingetragen habt auf ewig in der Datenbank gespeichert wird.

Gewährung von Nutzungsrechten an kaioo durch das Mitglied

Mit der Gestaltung seiner Seite bei kaioo räumt das Mitglied kaioo die für die kaioo-Dienstleistung erforderlichen Rechte ein, insbesondere zur Vervielfältigung, Änderung, Verbreitung und Veröffentlichung der eingestellten Inhalte. Die Nutzungsrechte können im Rahmen der kaioo-Dienstleistung auch auf Dritte übertragen werden; […]

Sobald ihr also bei kaioo etwas reinstellt, seien es Texte, Bilder oder sonstwas, übertragt ihr die Nutzungsrechte an kaioo. Also darf kaioo mit euren Sachen anfangen, was sie wollen – streng genommen. Insbesondere behalten sie sich vor, die Rechte an Dritte weiterzugeben.

Um den geneigten Leser und kaioo-Nutzer ein wenig zu beruhigen: das scheint sich nicht auf personenbezogene Daten zu beziehen, deren Weitergabe an Dritte wird in der Datenschutzerklärung unter Punkt 3 widersprochen: „kaioo gibt Ihre Daten nicht an Dritte weiter […]“ (Übrigens steht das auch beim studiVZ in der Datenschutzerklärung… aber das hatten wir ja schon). Dennoch sollte man sich also durchaus Gedanken machen, was man dort hoch lädt bzw. angibt.

Jetzt noch zwei kleinere Punkte, die ich aber dennoch erwähnenswert finde:

Haftungsbeschränkung

[…] Im Übrigen sind Ansprüche des Mitgliedes auf Schadensersatz gegen kaioo […] ausgeschlossen. […]

In wie weit das gängige Praxis in AGB ist, kann ich leider nicht beurteilen, finde es aber trotzdem merkwürdig. Im Ernstfall wird man wahrscheinlich dann doch vor Gericht ziehen können, jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass man sich so einfach davon befreien kann.

Verbotene Inhalte und Aktivitäten

[…] Ebenfalls verantwortlich ist das Mitglied für Inhalte, die andere Mitglieder auf seinem Profil, in seinen Foren, seinen Gruppen, oder seinem Gästebuch hinterlassen. […]

Das ist zwar an sich OK, schließlich hätte ich als Betreiber eines Netzwerkes auch keinen Bock, jeden Pfurz zu kontrollieren. Aber dennoch: die Pflicht der Kontrolle auf den gemeinen Nutzer zu übertragen, wobei die meisten wahrscheinlich gar nichts davon wissen, dass sie das machen müssen, finde ich nicht gut. Insbesondere in Zeiten, in denen selbst die zeitnahe Löschung eines strittigen Kommentares zur Verurteilung führen kann4.

Wie man also gut sieht, ist auch bei kaioo, der ach-so-tollen und „ersten ECHTEN Social Community“, nicht alles im Reinen, insbesondere den Punkt mit dem Löschen der Daten finde ich riskant. Zwar muss man immer darauf vertrauen, dass der Betreiber seine Daten nach dem Löschen wirklich löscht und nicht nur einfach die Anzeige für andere sperrt. Dass es aber direkt so in den AGB steht… heikel. Was die anderen Punkte angeht: Leider ist kaioo hier keine schlechte Ausnahme, so gut wie alle Internetdienste weisen ähnliche Punkte in ihren AGB auf.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich will kaioo nicht verteufeln oder sonstwie besonders schlecht machen und dafür das studiVZ in den Himmel loben. Ich will einfach nur, dass die Leute sich endlich mal ein wenig Gedanken darüber machen, was sie machen. Denn ich sehe ankommen, dass es nicht lange dauert, bis kaioo (wenn es denn wächst) mit den gleichen Vorwürfen wie das studiVZ leben muss, einfach deshalb, weil es ein social Network ist und die Leute auch hier jede Menge Sachen über sich preisgeben.

 
PS: In den AGB steht auch noch der Satz „Es wird dem Mitglied empfohlen, die bei kaioo eingestellten Inhalte selbst zu sichern, denn besondere Sicherung erfolgt bei kaioo nicht.“ Das finde ich für ein Unternehmen, dass Nutzer an sich binden will, schon sehr komisch. Es gehört zum Betreiben einer ordentlichen Seite einfach dazu, für Backups zu sorgen. Sach ich jetzt mal.

  1. „und das wird auch so bleiben.“ (sic!) – Zitat eines Werbenden im studiVZ []
  2. typischer Fall von: wir wollen schon am Anfang alles haben. Wenige (durchdachte) Funktionen am Anfang und dann langsam erweitern finde ich hingegen viel besser. []
  3. im studiVZ übrigens auch, siehe AGB 2.3: „Die Angabe von Künstlernamen, Pseudonymen oder sonstigen Phantasiebezeichnungen ist nicht gestattet.„ []
  4. Kurzzusammenfassung für die, die es nicht kennen und keine Lust auf noch einen langen Text haben: Stefan Niggemeier hat in seinem Blog über Callactive berichtet und wie es für ein Blog üblich ist, kann man darauf kommentieren. Ein Leser tat dies in einer Nacht zum Sonntag um 3:37 Uhr – um 11:06 Uhr löschte Stefan den Eintrag. Angeblich zu spät, er hätte damit rechnen müssen, dass sowas kommt, und im Vorfeld moderieren müssen.
    Nichts desto trotz empfehle ich den Artikel. []

studiVZ erlebt den Punk im Web 2.0 wieder

Der Andi hat sich letztens schon drüber ausgelassen (wovon ich mich ein bisschen hab inspirieren lassen), Johnny bei Spreeblick ebenfalls und ich will jetzt auch mal meinen Senf dazu abgeben – tut mir leid, dass es etwas lang geworden ist.

Die letzten Tage und Wochen wurde wieder viel über das studiVZ geredet und geschrieben – vor allem aber wurde sich viel beschwert. Weswegen? Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzerklärung sollen geändert werden, um das Hobbyprojekt ein wenig professioneller betreiben zu können. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Betreiber irgendwie Geld mit diesem 4-Millionen-Nutzer-Dingen verdienen wollen und das geht nunmal am Besten über Werbeeinahmen (wie auch sonst, wenn man für die Nutzung nichts zahlen muss und dennoch nicht gerade verschwindende Kosten entstehen).

Da ich bisher wenig Lust hatte, mir die AGB durchzulesen – wer macht sowas schon gerne? – habe ich das immer nur aus Sekundärquellen mitbekommen, was da gerade stattfindet. So hieß es z.B. zunächst, dass die im studiVZ angegebenen Handynummern dazu benutzt werden sollen, Werbe-SMS dorthin zu schicken. Nach heftiger Kritik ruderten die Betreiber zurück und nahmen den entsprechenden Passus raus, sehr zu meiner Freude. Auch wenn natürlich keiner gezwungen wird, seine Handynummer anzugeben, so wäre das doch ein Schritt, der mir zu weit gehen würde.

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Dauerurlaub auf Habichvergessen

Die Prüfung ist mit 1,3 bestanden, mein Vordiplom ist somit also fertig. Man könnte meinen, ich habe jetzt jede Menge Zeit, Einträge zu schreiben. Aber mir fällt gerade nichts ein, also bleibt nur das Zitieren. Andi schreibt drüben über seine Mitgliedschaft im StudiVZ u.A. das hier:

Toll ist übrigens das Geburtstags-Feature. Ich kann mir generell schlecht Geburtstage merken. Die müssten nämlich ins Langzeitgedächtnis und das ist bei mir im Dauerurlaub auf Habichvergessen.